Nach langer Zeit des Wartens kehren die Queens Park Rangers heute mit einem Heimspiel gegen die Bolton Wanderers in die englische Premier League zurück. Von Euphorie ist im Umfeld des Londoners Klubs hingegen wenig zu spüren.

Neil Warnock möchte in diesen Tagen wenig Interviews geben. Der Trainer der “Hoops”, wie der Klub aus dem Londoner Westen auch genannt wird, steht in dieser Saison vor einer wirklichen Mammutaufgabe, wenn er das Unmögliche schaffen und QPR vor dem sofortigen Wiederabstieg bewahren möchte. “Man müsse die Situation so nehmen, wie sie derzeit eben sei,” sagt Warnock und spielt dabei auf die Tatsache an, dass ihm zur Verstärkung des Kaders bislang keine Gelder bereitgestellt worden sind und er auf den Aufstiegskader und Neuzugänge zurückgreifen muss, die der Transfermarkt quasi hinten abwirft.

QPR, das letztmalig im September 2007 für große Schlagzeilen sorgte, als Formel 1-Boss Bernie Ecclestone gemeinsam mit dessen Freund und Geschäftspartner Flavio Briatore den finanziell angeschlagenen Zweitligisten für knapp eine Million Pfund kauften und vor dem finanziellen Kollaps bewahrten, steht aktuell wieder zum Verkauf. Es soll mehrere Interessenten geben. Namentlich bekannt ist bislang einzig der malaysische Geschäftsmann und Besitzer der Fluglinie “Air Asia”-Gründer und des Formel-1 Rennstalls “Lotus Racing”, Tony Fernandez, der sich zuletzt immer wieder in Interviews und Twittermitteilungen recht erfolglos als Geldgeber beim ebenfalls klammen Londoner Stadtrivalen West Ham United ins Gespräch gebracht hatte. Bis der Verkauf des Vereins oder zumindest einem Teil der Anteile  wird Warnock wohl auch weiterhin auf Transfermittel warten und stattdessen auf die Spieler bauen müssen, mit denen er letzte Saison durch die Championship marschierte und schlussendlich auch Ligameister wurde.

Zumindest ist ihm Adel Taarabt vorerst erhalten geblieben. Der hoch veranlagte marokkanische Offensiv-Allrounder, der nach zweieinhalb recht erfolglosen Jahren bei den Tottenham Hotspurs  an der Loftus Road wieder auf seine Füße gefunden hat, war in der letzten Saison die Attraktion der zweiten englischen Liga und mit 19 Tore und 23 Vorlagen maßgeblich am Erfolg der Mannschaft beteiligt. Vollkommen zu Recht wurde der 22 jährige als ‘Spieler des Jahres’ geehrt. Neben Taarabt waren es vor allem erfahrene Spieler, wie der 33 jährige Shaun Derry, den Warnock von seiner letzten Trainerstation Crystal Palace mit an die Loftus Road gebracht hatte und die routinierten Abwehrspieler Fitz Hall, Kaspar Gorkss, Clint Hill und Danny Shittu, die dem Zweitligameister im letzten Jahr eine enorme Stabilität gebracht hatten. 

Warnocks Talent, ein Auge für Spieler zu haben, deren Karriere stagniert und diese wieder auf Kurs zu bekommen, ist auf der Insel seit langem bekannt. In der Aufstiegssaison war es neben Taarabt Torhüter Paddy Kenny, mit dem der Trainer schon während seiner vorletzten Station bei Sheffield United zusammengearbeitet hatte. Nach einer 9-monatigen Dopingsperre (unerlaubte Einnahme von Ephedrin) war es Warnock, der dem irischen Keeper in London die Chance zu Rehabilitation ermöglichte. Kenny dankte es ihm mit hervorragenden Leistungen und dürfte somit auch in diesem Jahr die klare Nummer 1 im Tor sein. 

Nach dem Spiel:

Für das Spiel gegen Bolton hat eine von Warnocks berühmt-berüchtigten Mannschaftsansprachen aber wohl nicht wirklich gezündet. Am Ende setzte es zuhause eine saftige 0:4 Klatsche. Kieron Dyer musste schon nach fünf Minuten mit Verdacht auf einen Mittelfußbruch vom Platz getragen werden und Clint Hill sah spät in der zweiten Hälfte nach einem rüden Foul die rote Karte.

Scheinbar ist aber wirklich für QPR ein Käufer in Sicht und so stand Warnock nach dem Spiel überraschend gut gelaunt den fragenden Journalisten gegenüber. In einen Maßanzug gekleidet, so wie es sich für einen Trainers des Clubs der Milliardäre auch eigentlich gehört.